12 Volt Verteilung erhält Upgrade

Altes Schaltpanel

Seit Kauf meiner Friendship 28 erhielt das Boot schon einige Upgrades. Nun wurde auch die bestehende 12 Volt Verteilung angefasst.

  • Die Navigationsbeleuchtung war fehlerhaft verschaltet
  • Die Innenbeleuchtung hatte eine Wackelkontakt
  • Kühlschrank und Heizung konnten nicht zentral am Panel abgeschaltet werden
  • Die USB-Steckdosen waren an der Innenraumbeleuchtung angeschlossen
  • Ich kannte den Zustand der Verteilung nicht
  • es fehlte ein Schaltplan zum derzeitigen Zustand der Verteilung

Ich machte mir Gedanken, wie die zukünftige 12 Volt Verteilung aussehen sollte. Dazu war es allerdings notwendig, den derzeitigen Zustand zu erfassen und zu dokumentieren.

Schaltbild Deckenverkabelung

Schon bei der Erfassung konnte ich einige Fehler beseitigen: Am Mastfuß unter Deck wurde die Navigationsbeleuchtung und Innenbeleuchtung mit  Schraubklemmen weiter auf das Schaltpanel verteilt. Einige Kabelenden waren verlötet, andere waren nur verdrillt. Alle Kabelenden hatten eine Gemeinsamkeit: sie waren stark oxidiert und die Schraubklemmen waren lose, sodass es zu den Wackelkontakten kam. Diese „Baustelle“ wurde dann auch zuerst bearbeitet. Alle Kabelenden wurden abgeschnitten, abisoliert und mit Kabelendhülsen versehen. Die Schraubklemmen wurden dann durch Wago-Klemmen ersetzt. Diese Klemmen haben den Vorteil, dass Kabel schnell ohne Werkzeug aufgelegt werden kann. Zusätzlich werden auf Grund des Federverbindung statt Schraubverbindung Wackelkontakte vermieden. Des weiteren wurde der Schaltfehler der Navigationslichter an dieser Stelle schon mal zu 50 % behoben.

„Innenleben“ Schaltschrank

Die nächste und auch größte Baustelle war das das Schalt- und Sicherungspanel über dem Navigationstisch. Die komplette Verschaltung war über 30 Jahre alt, auf Grund fehlender Schaltunterlagen nicht überschaubar und entsprach nicht mehr den Anforderungen. Bevor es allerdings an die Erneuerung ging, war eine sorgfältige Planung erforderlich, um keine Fehler einzubauen.

Zuerst erfasste ich alle Verbraucher und sortierte sie nach Funktion und Verbrauch. Dabei kam zu Tage, dass das derzeitige Panel nicht die erforderliche Schaltkapazität bot und wohl ein zweites Panel erforderlich sein wird. Dabei wurde klar, dass der Platz hinter dem Panel nicht ausreichen wird, da auch der Navigationscomputer auf Basis des Raspberry PI hier eingebaut werden sollte.
Dieses Problem konnte aber später recht schnell und einfach beseitigt werden.

Schaltplan der O’Libre

Zur weiteren Planung besorgte ich mir eine Software, um damit einen Soll-Schaltplan der neuen 12 Volt Verteilung zu erstellen. Ich installierte das Programm ProfiCAD, das speziell zur Zeichnung elektrischer Schaltpläne dient. Dieses Programm steht in einer freien, eingeschränkten Version zur Verfügung, reicht aber zum Erstellen eines Bordschaltplanes völlig aus.

Die theoretischen Arbeiten nahmen viel Zeit in Anspruch. Das lag zum Einen an der Einarbeitung in das Programm und zum Anderen an der sorgfältigen Planung. Und letzteres zahlte sich später aus …

Zuerst sortierte ich die erforderlichen Stromkreise nach Funktionen: Navigationsbeleuchtung, Navigationsinstrumente (Wind, Logge etc), Autopilot, Innenbeleuchtung Steuerbord / Backbord und USB-Steckdosen, Wasserpumpe. Für den Bordcomputer wurde ebenfalls ein eigener Stromkreis eingeplant. Die größten Verbraucher sind Dieselheizung und Kühlschrank. Diese beiden Verbraucher wurden nicht zusammen auf ein Schaltpanel gelegt, sondern auf die beiden Panels aufgeteilt. (Die Heizung kann beim Start schon mal bis zu 11 Ampere ziehen!)

„Wundertüte“ Bauteile

Nachdem der Soll-Plan erstellt war, ging es an die Beschaffung der erforderlichen Teile wie Durchgangsklemmen, Kfz-Kabel mit unterschiedlichen Querschnitten und einer Hutschiene. Zusätzlich beschaffte ich eine weiteres 10-fach Schaltpanel von Philippi. Diese werden in der Regel mit 8 Ampere Sicherungsautomaten ausgeliefert, was aber für den Startvorgang einer Dieselheizung nicht ausreichend ist. Also wurde ein zusätzlicher Automat mit 12 Ampere mitbestellt.

Für die Arbeiten vor Ort nahm ich mir viel Zeit. Ein wichtiger Schritt war die Erfassung der Kabel im Schaltschrank. Zuerst wurden die Service- und Starterbatterie abgeklemmt, um Kurzschlüsse zu vermeiden! Nun konnten alle Kabel nach und nach von den Schraubklemmen gelöst, durchgemessen und sorgfältig beschriftet werden. Fehler, die sich hier einschleichen, müssen sonst mühsam gesucht und beseitigt werden. Um Kontaktprobleme zu vermeiden, wurden alle Leitungsenden neu abisoliert und Kabelendhülsen aufgepresst.

Zusätzlich zur bestehenden Verkabelung wurden weitere Leitungen eingezogen. Dazu gehörten jeweils eine zusätzliche Plus- und Masseleitung mit 6 mm², die parallel zu den bestehenden Kabeln der Verstärkung dienen. Auch für Kühlschrank und Heizung wurden neue 6 mm² Kabel zu den entsprechenden Sicherungen verlegt.

Testmontage der Durchgangsklemmen

Nun konnten die alten Schraubklemmen und die nicht mehr kompatible Hutschiene demontiert werden. Die neue Hutschiene wurde auf die erforderliche Länge gekürzt und an die hintere Wand montiert. Als nächstes erfolgte die Montage der neuen Durchgangsklemmen, die einfach „aufgeklickt“ wurden.

Nachdem alle Kabel soweit verlegt waren, wurde ein neues Panel-Brett ausgesägt, da ein zweites Schaltpanel eingebaut werden sollte. Dieses neue Brett wurde aber so ausgemessen, dass es weiter nach vorn montiert werden konnte und somit wesentlich mehr Platz im Schaltschrank entstand. Alle erforderlichen Löcher wurden aus der Platte ausgesägt. Zur Erhöhung des Komforts wurden zwei Scharniere am Brett angebracht, um die Platte bei Arbeiten zur Seite schwenken zu können. Bisher musste das Brett komplett gelöst werden und hing an den Kabeln über dem Navigationstisch. Auf der anderen Seite montierte ich an der Seite im Schaltschrank ein kleines 2×3 cm Kantholz mit einer Einschlagmutter. Mit einer Schraube, die durch die Panelplatte führt, kann damit die entstandene Tür verschlossen werden.

Montiertes Panelbrett

Beide Schaltpanels und alle weiteren Komponenten wurden nun in das Panelbrett eingebaut und das Panelbrett mit den Scharnieren dann montiert.

Jetzt ging es an die Verkabelung. Dazu war die Herstellung von Kabeln erforderlich, die von den Schaltpanelen zu den Durchgangsklemmen führen. Auf der einen Seite wurde ein Kabelschuh aufgepresst, auf der anderen Seite eine Kabelendhülse. Zuerst wurden die „alten“ Kabel auf die Durchgangsklemmen aufgelegt. Dabei ging ich eins zu eins gemäß Schaltplan vor. Danach erfolgte die Verschaltung der Kabel von den Schaltpanelen zu den Durchgangsklemmen – ebenfalls eins zu eins gemäß Schaltplan – und die zusätzlich eingezogenen Kabel für Heizung, Kühlschrank und Verstärkungsleitungen.

Nach einigen Stunden waren alle Kabel aufgelegt. Es erfolgte eine Kontrolle mit dem Multimeter. Nachdem diese Kontrolle positiv war, wurden alle Kabelstränge gebündelt, mit Kabelbindern fixiert und im Schaltschrank im Bündel verlegt.

Jetzt konnte der Funktionstest erfolgen. Beide Batterien wurde wieder angeklemmt und der Batterietrennschalter umgelegt. Dann erfolgte der Test der einzelnen Stromkreise: Der entsprechende Schalter am Schaltpanel wurde eingeschaltet und die Funktion des Verbrauchers getestet.

Hier zeigte sich, dass die zeitaufwändige, sorgfältige Planung der richtige Weg war. Alles funktionierte wie geplant.